# Tag 41 - Was ziehe ich heute an?

Seit ich EC mit Tommetott praktiziere, ziehe ich ihn anders an als Filou im gleichen Alter. Warum? Ich brauche schnell Zugriff auf Windel oder Backup. Besonders unpraktisch sind daher Einteiler ohne Öffnung am Schritt. Leider habe ich Timmetott vor der Geburt einen sehr schönen Overall aus Wolle gekauft, der genau dieses Manko hat: zum Wickeln alle Knöpfe aufmachen, obenrum freimachen, Windel auf... Dann kann es schon zu spät sein.

Babybodys, Onesies, Wäscheleine, trocknen
© Pixabay

Viel praktischer hingegen sind zum Beispiel Latzhosen, die unten aufgehen oder gleich Baby legs (Beinstulpen).

Hach, wo ist nur der Sommer? Da war es noch einfacher - Windel auf und go.

Oberteile, Pullover und Longsleeves

Statt Bodys ziehe ich Tommetott mittlerweile dünne Langarmshirts und darüber einen Pullover an. Wenn er einen Body anhat, bleibt der meist offen - manchmal zählen Sekunden ;-)

Wenn er darüber eine Latzhose anhat, ist er an den Nieren geschützt und warm.

Baby legs und Stulpen

Ja, es gibt auch für Babys Stulpen. Ich habe sogar Second Hand schon welche gesehen. Bei Filous erster Runde in Sachen Töpfchentraining habe ich mir welche organisiert und kann sie nun nochmal bei Tommetott zum Einsatz bringen.

Das Prinzip ist simpel: die Stulpen über die Beine ziehen, bei Bedarf noch Socken an, Stoffwindel, fertig. Falls es zu kalt sein sollte, lege ich ihm noch eine Decke über. Das hält warm und kann schnell entfernt werden. Sobald ein Signal kommt, einfach Windel aufmachen, Kind über das Asiatöpfchen halten und los! Dabei auf die Socken aufpassen oder vorher ausziehen - der Pipi-Radius ähnelt bei Jungs einem Rasensprenger.... (Daher möglichst tief in das Töpfchen rutschen, Penis etwas nach unten richten oder gut zielen)

Overalls und Latzhosen (oder -kleider)

Overalls gehören auch zu meinen Favoriten. Einfach ein dünnes Oberteil anziehen, Overall drüber et voila! Kind ist angezogen. Wie gesagt kann man die meisten Knöpfe unten auflassen (sieht nicht schön aus, ist aber praktisch) und ggf. eine Decke drüberlegen. Ein sauberes Spucktuch geht auch (wenn es nur um die Ästhetik der offenen Hose geht).

Noch einfacher ist es bei Mädchen - ein Kleid ist lang genug um alles zu verdecken und kann blitzschnell hochgeschoben werden.

Bei Latzhosen ähnliches Prinzip wie beim Overall: Knöpfe an den Füssen schliessen und ein paar Sekunden sparen.

Splitpants, open-crotch pants und Schlitzhosen

Die Profis nutzen natürlich EC-Kleidung wie Schlitzhosen. Das sind Hosen, die keine Mittelnaht haben, sondern mit Falttechnik Schritt und Po bedecken. Bei Bedarf werden die beiden Stoffteile auseinander geschoben, das Backup oder die Windel gelöst und dann kann gepullert werden (oder geschietert). Klingt total praktisch und ich besorge mir gerade eine (und möchte auch selbst eine nähen). Erfahrungsbericht folgt.

Baby belt, Sumo belt oder Bauchring

Kennt ihr die breiten Bündchen von Babyhosen? Ein Baby belt sieht so ähnlich aus. Meist besteht er aus Fleece oder Wollwalk (da flüssigkeitsabweisend), es gibt ihn aber auch aus Baumwolle. Ich habe eine alte Babyhose aussortiert und kann das Bündchen nun dafür verwenden.

Wie funktioniert das? Baby belt anziehen, dann eine dicke Stoffwindeleinlage am Bauch und Po einklemmen, so dass der Schritt bedeckt ist und eine passende Beinbedeckung anziehen (offene Latzhose, Kleid, Baby legs oder Schlitzhose).

Ich empfehle das nur für erfahrene EC-Eltern, denn die Einlage ist nicht wasserdicht. Bei einem Malheur muss also alles ausgewechselt werden, was nass wurde. Es sei denn, ihr nutzt Kleidung aus Wolle, Wolle-Seide oder Wollwalk. Hier kann Feuchtigkeit meist schnell abgetupft werden.

Normale Babyhose

Erweist sich als sehr unpraktisch. Wenn das Kind noch nicht sitzen oder stehen kann, wickelt man es entweder durch hochheben oder zur Seiten rollen. Dann alles ausziehen, freimachen, hinterher wieder anziehen... Ich fand das viel zu mühsam und auch Tommetott fand das ständige an und aus nicht so toll.

So schade, denn ich habe wirklich schöne Hosen für ihn im Schrank...

Materialkunde

Hier eine kurze Übersicht, welche Stoffe sich wofür eignen. Sorry Veganer: ich liebe Wolle und Seide. Da ich keine vergleichbaren nicht-tierischen Stoffe finde, greife ich darauf zurück. Sobald die Technik ausgereifter ist, wähle ich gerne Alternativen.

Wolle oder Wollwalk

Diese Materialien

  1. sind natürlichen Urspungs.
  2. fühlen sich trocken an auf der Haut. Die Feuchtigkeit wird nach Aussen transportiert.
  3. sind atmungsaktiv. Die Babyhaut bekommt Sauerstoff ab und kann die Wärme besser regulieren.
  4. reinigen sich selbst. Ein paar Stunden an der Luft aktivieren die Selbstreinigungskraft der Wolle. Auffrischen kann man ab und zu durch ein Wollfettbad.

Sehr praktisch, da die Waschmaschine ja schon genug zu tun hat. Risiko: falsch waschen. Immer von Hand oder im Wollwaschgang waschen. Aber besser einfach den Dreck abklopfen oder die Stelle auswaschen und an der Luft trocknen.

Wolle-Seide

Ich habe ein paar Bodys und Oberteile aus Wolle-Seide und bin begeistert. Sie sind viel teurer als normal Baumwollbodys, aber es lohnt sich!

  • Passform: Ich finde Wolle-Seide schmiegt sich am besten dem Körper an.
  • Wärmeausgleich: Die Kleidungsstücke sind atmungsaktiv und sorgen immer für die richtige Temperatur.
  • Reinigung: Auch hier genügt lüften um sie wieder aufzufrischen. Sollte ein Bäuerchen drauf landen, einmal kurz mit warmem Wasser spülen, trocknen lassen und schon ist wieder alles frisch.

Vor allem nachts ziehe ich Tommetott Wolle-Seide an, damit er nicht überhitzt, sondern einfach warm eingekuschelt ist.

Auch hier ist die richtige Pflege entscheidend: Bei uns sind schon Bodys ruiniert worden, da sie normal mitgewaschen und sogar im Trockner landeten. Am besten von Hand waschen.

Baumwolle

Der Klassiker: Viele (Kinder-) Kleidungsstücke bestehen zum Hauptteil aus Baumwolle. Die Produktion ist im Hinblick auf Nachhaltigkeit recht kritisch, da die Pflanze so viel Wasser benötigt. Aber ähnliche Themen gibt es bei Wolle (Haltung, Schur und Pflege der Schafe) und Seide (Raupen kochen spricht ja für sich bzw. dagegen).

 

Dennoch zeichnet die Baumwolle einiges aus:

  • sehr saugfähig (daher auch oft im Einsatz für Nuschis, Stoffwindeln etc.)
  • kratzt nicht und ist hautfreundlich
  • ist langlebig und pflegeleicht (verzeiht so ziemlich jegliche Waschpannen)
  • strapazierfähig und dehnbar (weiss ich sehr zu schätzen, wenn Filou wieder durch den Wald tobt)

Baumwolle ist für mich der Alltagsstoff und vielseitig einsetzbar. Nicht so atmungsaktiv, aber macht viel mit, ist leicht zu bekommen und kostet weniger.

Kunststoffe, Polyester etc.

Versuche ich soweit es geht zu vermeiden. Denn meine Kinder sollen nicht so viel schwitzen und dann in halbnassen Klamotten rumlaufen. Schaut mal in die Etiketten: vor allem Strumpfhosen haben oft einen hohen Kunststoffanteil. Wie fühlt sich das an in einer engen Art Plastiktüte zu krabbeln und zu spielen? Möchte ich meinen Kindern ersparen.

Für Regenwetter sind Softshell und Co. natürlich grossartig! Aber auch hier merke ich bei Filou, dass ihm zu warm wird und er zu Hause erstmal trocknen muss.

Ausserdem lädt man sich leichter statisch auf - hallo fliegende Haare...!

Hier also die Vorteile: wasserdicht, billig und strapazierfähig.

Aber wie gesagt bin ich davon kein grosser Fan - Regenjacke und Gummistiefel ja, aber keine Oberteile aus 100% Polyester o.ä.

Kleine Anpassungen reichen aus

Fazit nach einigen Wochen ist für mich, dass man auch mit einer normalen Babygarderobe EC praktizieren kann. Probiert einfach, was für euch passt und kauft ggf. noch fehlende Stücke ein (oder macht sie selbst). Aber es ist keine Voraussetzung um mit EC loszulegen.

Sobald das Krabbelalter beginnt, muss ich vielleicht aufrüsten. Dazu dann mehr.

Wie ihr seht, habe ich keine vollständige Garderobe in Sachen EC, sondern improvisiere mit dem was da ist. Und im improvisieren sind wir Eltern ja Meister!

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