# Tag 79 - Die 24-Stunden-Windel

"Tommetotts Windel ist seit über 12 Stunden trocken!"

"Oh, Harnstau?"

"Äh nein. Er hat Pipi gemacht - einfach auf Toilette."

 

So klingt das, wenn man mit nicht-ECern über den momentanen Stand spricht. Was normalerweise für ein Krankheitssymptom steht (trockene Windel=irgendwas stimmt nicht), freut mich total (trockene Windel=EC funktioniert).

 

Spannende Entwicklung: zwei Nächte hintereinander war Tommetotts Windel morgens trocken. Das bedeutet er hat für 7-8 Stunden kein Pipi gemacht. Für mich ein gutes Zeichen: sein Rhythmus hat sich verfestigt, die biologische Uhr ist gestellt.

EC nachts

Denn genau wie bei uns Erwachsenen läuft bei Babys und Kindern nachts ein reduzierter Betrieb im Körper. Das sorgt dafür, dass diverse Prozesse langsamer laufen als tagsüber oder gar pausieren. Daher müssen wir im Normalfall nachts nicht aufs WC. Ein Botenstoff sorgt dafür, dass die Harnproduktion verringert wird und wir daher morgens konzentriertes, dunkles Urin ausscheiden.

 

Schlaf hat Vorrang

Für die Nächte haben wir kein EC Programm - Tommetott bekommt vor der Einschlafen eine Wegwerfwindel an und am Morgen halte ich ihn ab (meist nach einer Runde stillen). Wenn er nachts muss, geht es in die Windel. Da ich früh angefangen habe, nachts die Stillabstände zu vergrössern, schläft er seit einigen Wochen durch. Das bedeutet eine Nachtruhe von ca. 23 Uhr bis 7 Uhr morgens. Und wenn keine Flüssigkeit rein kommt, muss auch keine zusätzliche raus. Seit Tommetotts Geburt gab es schon drei Erwachen mit trockener Windel.

 

Warum habe ich mich für diesen Ansatz entschieden? Ganz einfach: Ressourcen schonen. Und damit meine ich die von mir und meiner Familie. Schlafentzug hat einen negativen Einfluss auf meine EC-Fähigkeiten und meine Gelassenheit tagsüber. Wer zwei Kinder bespassen darf, weiss wovon ich spreche -  Kinder erziehen kann Kraft kosten. Und damit ich auch Kraft zurückbekomme, stelle ich nächtliche EC Ausflüge zurück. Damit ist allen mehr geholfen. Wie ihr seht, kann auch ohne gezieltes Nachtprogramm eine trockene Windel dabei herauskommen.

Wieso bleibt die Windel trocken?

Zum einen wegen der nächtlichen Stillpause und aufgrund des langsameren Biorhythmus. Abends ist ausserdem die Hochphase in Sachen Pipi - Tommetott ist meist ab 21 Uhr qietschfidel und besucht alle 20-30 Min. das Töpfchen. Abendliches Ritual: meine Intuition sagt "Er muss mal", mein Verstand stöhnt "Schon wieder?". Nach einem Ausflug zum WC triumphiert die Intuition: "Siehste!". So kann ich mir das Joggen sparen - 6 mal vom Sofa zum WC zum Wickeltisch... Ich sollte mal meine Schritte zählen lassen. Dieses abendliche Erleichtern sorgt dafür, dass Tommetotts Blase so was von leer ist bevor er einschläft (vor allem, wenn um 21 Uhr gestillt wurde). Direkt bevor ich ihn in den Schlafsack lege, halte ich ihn ab und dann schläft er ruhig bis zum nächsten Morgen.

 

Erfolgsfaktoren

  1. Auspinkeln lassen vor der nächtlichen Bettruhe
  2. Stillpause einlegen
  3. Morgens nach dem Aufwachen abhalten

Gerade eben habe ich wieder gelesen, dass Säuglinge den Blasenmuskel noch nicht steuern können - meine Erfahrungen mit Tommetott widersprechen diesem Mythos. Sonst würde er ja nicht lange Zeit trocken bleiben und sich erst erleichtern, wenn er freigemacht wird. Wird er gestört, bricht er sein Geschäft ab. Hätte er keine Kontrolle, würde er ja einfach weiterpullern. Keine Ahnung, wie die Allgemeinmedizin auf diese Idee kommt, aber mein Baby kann den Schliessmuskel kontrollieren. Gleichtzeitig spannt er ja auch Bauch- und Gesichtsmuskeln an, gibt entsprechende Geräusche ab, wenn es zur Sache geht. Je länger er tagsüber trocken ist, desto besser klappt es auch nachts.

Klar kann seine Blase noch nicht die komplette Menge Milch auf einmal wieder ausscheiden (ich schätze mal er trinkt ca. 200-300 ml pro Mahlzeit). Aber er bringt es schon auf gut 50 ml pro Töpfcheneinsatz. Ja, ich habe das tatsächlich mal gemessen. Aus Neugier. Und weil es so viel aussah.

 

Ich bin völlig fasziniert von

a) dem Fassungsvermögen der Blase

b) dem gut funktionierenden Schliessreflex

c) dem entspannten Körper, der nachts die Produktion von Urin herunterfährt

Warum 24-Stunden-Windel?

Nach trockenen 12 Stunden behielt Tommetott die Windel weiterhin an. Wir waren auswärts frühstücken, zu Hause, bei Freunden. Zwischendurch hielt ich ihn über WC oder an einen Busch, so dass - tadaaaa - die Windel abends um 22 Uhr immernoch trocken war. Allerdings sah sie schon recht zerrupft aus - Einmalwindeln sind wirklich nicht für 35 000 mal öffnen und schliessen geeignet. Und am Ende verpasste ich Tommetotts vorletztes Pipi-Timing. Filou hatte einen Alptraum... So kann es gehen und das Wichtigste ist: Dranbleiben.

Wie läuft es bei euch? Sind die Nächte wild und unruhig oder kurz und knackig?

Wie wachen eure Babys auf?

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