# Tag 90 - Was wir in den ersten drei Monaten gelernt haben

Juhu, wir feiern Dreimonatiges! In dieser Zeit haben wir soviel gelernt, einzigartige Momente erlebt und einen Haufen Wäsche gewaschen.

 

Wow, jetzt ist Tommetott schon ein Vierteljahr bei uns, strahlt

Zufriedenes Baby

Ob es mit windelfrei zusammenhängt, kann ich nicht beweisen. Aber ich glaube, dass Tommetott durch die umfassende Erfüllung seiner Bedürfnisse so zufrieden ist. Essen, schlafen, in sauberen Kleidern liegen... das ist gar nicht so schwer. Oder eben doch: in Foren lese ich von Hoch und Tiefs mit den Kleinen, erlebe sie selbst oder höre bei Gesprächen mit Freundinnen davon.

 

Eine der Hauptschwierigkeiten besteht darin, den eigenen Weg zu finden. Denn für jeden Ansatz finden sich Verbündete - das Baby zum Einschlafen "kontrolliert" schreien oder bis Ultimo im Familienbett schlafen lassen. Für alles Mögliche gibt es wissenschaftliche Studien, die dieses oder jenes belegen - daher habe ich mich nach kurzer Zeit entschieden auf mein Bauchgefühl zu hören. Es leitet mich in Bezug auf die Erziehung meiner Kinder und war bisher der beste Ratgeber von allen (zusammen mit Papa Bär).

 

Was macht für mich ein zufriedenes Baby aus? Es schläft viel, ist interessiert, wenn es wach ist, lacht, trinkt gut und hat auch sonst schon einen nachvollziehbaren Rhythmus. Es fühlt sich an, als wären wir in Balance. Ein komplexes Zusammenspiel aus Erholung, Verpflegung und Abwechslung, das die ganze Familie betrifft.

 

Für mich als Mutter bedeutet das zugewandt und achtsam zu sein - nicht nur gegenüber den Bedürfnissen des Kindes (oder der Kinder in meinem Fall), sondern vor allem auch gegenüber den Eigenen. Mir fällt es meist leichter, zu sehen, was Tommetott braucht. An meiner Selbstfürsorge arbeite ich noch. Regelmässig essen zum Beispiel, oder genug schlafen... Meistens bin ich schon froh, wenn ich morgens nicht wieder das Zähne putzen vergesse oder Deo. Oder beides. Von daher "Mom and Dad first" - im besten Sinne für die Kinder.

 

"Glückliche Eltern haben glückliche Kinder."

Weniger Müll

In den drei Monaten ist mir vor allem aufgefallen, dass wir deutlich weniger Müll produzieren als bei Filou. Was sparen wir ein?

  1. Windeln
  2. Feuchttücher
  3. Gallseife
  4. Crèmes
  5. Medikamente
  6. Mülleimer und -tüten

Die Windeln sind vermutlich ein no-brainer: Durch das Abhalten bleiben Windeln länger trocken und können viel länger benutzt werden als nach dem üblichen System (=Windel volllaufen lassen). Wir sind vor Tommetotts Geburt auf Stoffwindeln umgestiegen, da mir das umweltfreundlicher erschien und auch gut für das Feuchtigkeitsgefühl des Babys ist (="Wenn ich Pipi in die Windel mache, wird es nass. Das ist unangenehm und ich zeige das."). Hilft wohl beim finalen Trockenwerden - ich werde nächstes Jahr berichten...

Zusätzliche Vorteile: Die Qualität der Stoffwindeln bleibt länger erhalten, denn sie werden seltener gewaschen und bekommen keinen oder kaum Kot ab.

 

Seit Tommetotts Geburt habe ich noch keine ganze Packung Feuchttücher verbraucht. Warum? Meistens kann ich ihn direkt am Waschbecken saubermachen und trockne ihn dann ab. Kacka geht zu 95% in das WC oder Töpfchen. Auch hier - ein paar Spritzer Wasser, fertig! War die Windel nass, halte ich ihn ab und wasche ihn danach mit Wasser. Zum Abtrocknen habe ich mir einen Trick überlegt: in Vierecke geschnittene Nuschis (Stoffwindeltücher) eignen sich prima entweder als Waschlappen oder zum Abtrocknen. Natürlich gehen auch aussortierte Handtücher, die zurecht geschnitten werden. Wieder was gespart und recycelt!

 

Gallseife! Oh man, wie viele Liter bzw. Stücke ich davon wohl in 2015 verbraucht habe? Gefühlt sehr viele. Warum? Regelmässig wurden die Wegwerfwindeln von Filou gesprengt, so dass ich nicht nur ihn, sondern auch seine komplette Garderobe säubern durfte. Und mit Gallseife(-ersatz) gehen die Kacki-Flecken am besten raus. Bisher kam die Seife nur bei feuchten Pupsis zum Einsatz. 

 

Das eine führt zum anderen - in Kacke sitzen bringt einen wunden Po. Ohne dreckige Windel weniger Hautirritation und auch weniger Crèmes, die heilen helfen sollen. Heile Haut braucht keine Crème am Po.

 

Das Abhalten fördert die vollständige Darmentleerung, da die Position den Muskel zum Ausscheiden optimal bereitmacht. Aus meiner Sicht hat Tommetott daher weniger Blähungen, Dreimonatskolliken o.ä. und benötigt daher keine Medikamente. Bei Filou habe ich Bigaia Tropfen, Bäuchleinöl usw. eingesetzt, damit wir abends nicht wieder stundenlang die Fliegerposition mit ihm machen mussten (sondern nur 30 Minuten). Wer mehr dazu lesen möchte, dem empfehle ich Darm mit Charme. Dort steht eine Menge über unsere Darmtätigkeit und empfiehlt unter anderem, bei Stuhlgangproblemen ein kleines Höckerchen vor die Toilette zu stellen und die Füsse beim Geschäft darauf zu positionieren. Damit die Beine angewinkelt und etwas höher als die Hüften sind. Kommt mir bekannt vor ;)

 

Wenn wir doch mal Wegwerfwindeln benutzen, stinken die nicht so und wir können einen normalen Mülleimer nutzen. Extra Windeleimer und teure Tüten? Gespart! Freut im übrigen auch unsere Nachbarn, denn der Windelmüll war sonst auf dem Balkon...

Mehr Selbstverständlichkeit

Wenn ich daran denke, wieviele Gedanken ich mir am Anfang über EC und die Reaktionen meines Umfeldes gemacht habe... Horrorszenarien liefen in meinem Kopf ab! Dabei hat sich alles sehr gut entwickelt. Papa Bär ist mit gewohnter Gelassenheit an Board und lässt mich meine Sache durchziehen. Zwar gibt es ab und zu Knatsch ("Du hast ihn erzogen zu schreien, wenn er muss!"), aber er sieht selbst, wie gut es meist klappt und vor allem wie entspannt Tommetott ist.

 

Mittlerweile kann ich ganz routiniert das Marmeladenglas zücken, wenn es Zeit dafür ist. Zur Babymassage nehme ich das Töpfchen mit. Und wenn es überhaupt eine Reaktion gibt, dann meist interessierte Nachfragen. "Ach, echt ihr macht windelfrei? Das wollen Freunde auch probieren. Wie geht das denn?" Und dann freue ich mich natürlich, kann Auskunft geben und meinen Blog empfehlen.

 

Auch wenn mal ein Malheur passiert, kann ich mittlerweile sehr gefasst reagieren. Am Anfang hat mich meine eigene Anspruchshaltung ganz schön viel Kraft gekostet. So verbissen auf ein trockenes Backup hinzuarbeiten... Sich davon zu lösen und sich einfach zu freuen, wenn es läuft, ist viel angenehmer (und auch mit besseren Resultaten verbunden).

Asia Töpfchen in Aktion
Das Töpfchen kurz nach dem Einsatz

Mehr Bindung

Je länger wir EC praktizieren, desto deutlicher fällt mir die starke Verbindung zu Tommetott auf. Ich fühle mich viel fähiger auf seine Bedürfnisse einzugehen, da ich das Repertoire durch EC besser bedienen kann. Natürlich habe ich auch den Vorteil, Filou zu haben - er hat mir schon viel beigebracht. Die Basiskenntnisse waren also vorhanden und nun habe ich das Gefühl mich in tiefere Level vorzuarbeiten (was die "Sensoren" für Bedürfnisse angeht). Die Offenheit für Signale in Bezug auf Tommetotts Ausscheidungen hat mich auch offener gemacht für andere Anzeichen: Müdigkeit, Hunger, Kontakt suchen. Zumindest im Moment fühlt es sich sehr einfach an.

 

Ich bin überzeugt, dass alle Eltern von der EC Erfahrung profitieren könnten. Wie schön das ist, für das Kind in allen Bereichen da sein zu können! Es fühlt sich so richtig an und Tommetotts Verhalten spiegelt mir das zurück.

 

Meine Vision ist, EC wieder präsenter werden zu lassen bei den Eltern. Vermeintliche Hürden abzubauen, damit alle Babys und ihre Familien diese schönen Gefühle der Balance erleben können.

 

Daher werde ich in den kommenden Wochen hauptsächlich Input aus der EC Theorie und Praxis liefern:

  • Signale: Was sind sie und woran erkenne ich sie?
  • Timing: Was ist zu beachten? Welche Rhythmen sind zu beobachten?
  • Intuition: Wie entwickle ich eine EC Intuition?

Ich freue mich auch Infos zu Equipment und EC hacks zu liefern. Gleichzeitig wird wohl auch die Betreuung durch andere ein Thema - was ist Papa Bärs Rolle und wie kann ich ihn befähigen? Denn auch ich brauche mal Zeit ohne Kinder und möchte, dass das für alle Beteiligten so entspannt wie möglich läuft.

 

Abhalten für Alle!

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